Die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (Anti-Money Laundering / Countering the Financing of Terrorism – AML/CFT) bleibt auch 2025 ein zentrales Thema für Unternehmen im Finanz- und Versicherungssektor. Mit der Veröffentlichung neuer Regulatory Technical Standards (RTS) durch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) im Juni 2025 verschärfen sich die Anforderungen an die Compliance-Abteilungen deutlich. Unternehmen sind nun gefordert, ihre bestehenden Prozesse zu überprüfen und an die neuen Vorgaben anzupassen – und das innerhalb kurzer Fristen.
RTS -neue technische Standards
Die neuen RTS konkretisieren die risikobasierte Herangehensweise, die bereits seit Jahren als Leitprinzip der Geldwäscheprävention gilt. Neu ist insbesondere die Verpflichtung, ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance) in die Risikoanalyse einzubeziehen. Damit wird der Fokus auf Nachhaltigkeit auch in der Compliance verankert. Unternehmen müssen künftig nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ethische und ökologische Aspekte bei der Bewertung von Kundenbeziehungen und Geschäftsmodellen berücksichtigen.
Digitalisierung der Identitätsprüfung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Identitätsprüfung. Die EBA fordert den verstärkten Einsatz digitaler Identitätslösungen, insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen. Dies betrifft nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen, Zahlungsdienstleister, FinTechs und andere regulierte Unternehmen. Die Herausforderung besteht darin, technische Lösungen zu implementieren, die sowohl den regulatorischen Anforderungen als auch den Erwartungen der Kunden an Benutzerfreundlichkeit gerecht werden.
Anpassung der Prozesse
Für Compliance-Verantwortliche bedeutet dies: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um eine umfassende Gap-Analyse durchzuführen. Welche Prozesse entsprechen bereits den neuen Anforderungen? Wo bestehen Lücken? Besonders kritisch sind dabei die Dokumentation der Risikobewertungen, die Schulung der Mitarbeitenden und die technische Infrastruktur. Viele Unternehmen werden ihre AML-Software aktualisieren oder sogar neu evaluieren müssen, um die neuen Anforderungen effizient umzusetzen.
Governance
Auch die Governance-Strukturen rücken stärker in den Fokus. Die EBA erwartet, dass die Verantwortung für AML/CFT-Themen klar zugewiesen und regelmäßig überprüft wird. Dies betrifft nicht nur die erste Verteidigungslinie, sondern auch das Management und die Aufsichtsorgane. Die Einbindung der obersten Führungsebene ist daher unerlässlich, um eine wirksame und nachhaltige Compliance-Kultur zu etablieren.
Inkrafttreten der RTS
Die neuen RTS sollen voraussichtlich im Oktober 2025 in Kraft treten. Angesichts der Komplexität der Anforderungen und der notwendigen technischen Anpassungen empfiehlt es sich, bereits im Juli mit der Umsetzung zu beginnen. Unternehmen, die frühzeitig handeln, können nicht nur regulatorische Risiken minimieren, sondern auch ihre Position im Markt stärken – denn Vertrauen und Integrität sind zentrale Erfolgsfaktoren in einem zunehmend regulierten Umfeld.
Fazit
Die neuen EBA-Standards markieren einen wichtigen Schritt hin zu einer moderneren, digitaleren und nachhaltigeren Geldwäscheprävention. Für Unternehmen bedeutet das: proaktiv handeln, Prozesse anpassen und Compliance als strategisches Element begreifen